



Bibergeil wird in der Parfümerie als charakteristisch harzige und animalische Note verwendet. Der Duft ist wild und körperlich, lustvoll und leidenschaftlich und verleiht seinem Träger eine zarte Aura von Sinnlichkeit. Dieser typisch warme, fleischliche und lederähnliche Duft ist eigentlich ein geruchsintensives, gelbliches Sekret des ausgewachsenen nordamerikanischen Bibers Castor Canadensis und des europäischen Bibers Castor Fiber. Das Geruch von Bibergeil wird als stechend, kohleähnlich oder wie russisches Leder beschrieben. When es in Alkohol gelöst wird, riecht Bibergeil angenehm nach Moschus und fruchtigen Nuancen.

Castoreum ist griechischen Ursprungs und wurde vom Wort Κάστωρ (Kastōr), welches "Biber" bedeutet, abgeleitet. Castor war auch einer Dioscuri / Zwillinge in der griechisch-römischen Mythologie. Castor und Pollux waren Zwillingsbrüder, die die gleiche Mutter, jedoch verschiedene Väter hatten. Polluz war unsterblich, Castor nicht. Als Castor starb, hörte Zeus das Flehen von Pollux, der darum bat, seine Unsterblichkeit mit seinem Bruder zu teilen. Also verwandelte Zeus beide in Sterne, die auf alle Ewigkeiten im Sternbild des Zwillings stehen.
Das Wort Castor scheint auch eine Verbindung zum Wort kasturi in Sankrit zu haben.

Bibergeil wird in den Arbeiten der antiken Berichterstatter erwähnt, die fälschlicherweise davon ausgingen, dass die moschusähnliche Substanz aus den Testikeln der Tiere gewonnen wird. Aesop, der berühmte griechische Fabeldichter, erzählt den weit verbreiteten Trugschluss des Jägers, welcher besagt, dass der Biber seine eigenen Testikel abbeißt und sie dem Jäger zuwirft um so den Tod zu entkommen.
Biber wurden in der Tat gejagt, allerdings nicht für ihre Hoden, sondern aufgrund ihres Fleisches, ihres wasserdichten Fells für die Herstellung von Hüten und auch wegen ihrer Afterdrüsen, die den duftenden Lockstoff verströmen. Daher wirde Bibergeil auch als Aphrodisiakum verwendet, denn es soll aufgrund seines puren, animalischen und vitalen Duftes das andere Geschlecht angezogen und verführt haben.
Es ist in der materia medica als Mittel gegen Kopfschmerzen, Fieber und Hystrie bekannt. Selbst Paracelsus, ein Schweizer Arzt, Botaniker, Alchemist, Astrologe und Okkultist zu Zeiten der Renaissance, propagoerte das duftintensive Öl als Heilmittel gegen Epilepsie. Es gibt keinen Beweis, dass Bibergeil medizinische Nutzen hat, jedoch ist bekannt, dass Biber die innere Rinde des Weidenbaums, welcher Salicylsäure (wie Aspirin) enthält, fressen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Bibergeil noch in der Luxusparfümerie verwendet. Und das, obwohl der Biber im 16. Jahrhundert in Schottland bis zur Ausrottung gejagt wurde. Die Art und Weise der Tötung der Tiere war brutal und grausam und passte nicht wirklich zu den wunderbaren Parfums, in denen dieser Stoff verwendet wurde. Heutzutage wird Bibergeil durch ein synthetisches Castoreum, das vollständig im Labor hergestellt wird, gewonnen. Ds synthetische Castoreum ist in vielen Parfums wie Shalimar von Guerlain, Emeraude von Coty, Magie Noire von Lancôme, Antaeus von Chanel, Givenchy III von Hubert de Givenchy, Colonia Russa von Santa Maria Novella und vielen anderen zu finden.

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