
By: Marina Milojević
Als Moschus wird in der Parfümerie eine ganze Klassifizierung an duftenden Substanzen beschrieben, die als Basisnoten verwendet werden. Diese wunderbare, animalische Note kreiert einen Grund, auf dem die aromatischen Nuancen der Komposition sich entfalten könne. Moschus ist das am meisten verwendete Material und derzeit in fast allen Parfums zu finden. Dies lässt sich anhand der Suche nach Noten einfach verifizieren. Was diesen Duftstoff in der Parfümerie so unersetzlich macht, ist seine einzigartige Fähigkeit Düften eine Balance zu verleihen und jeddem Duft einen Hauch von Sinnlichkeit und Wärme zu vermitteln. Moschus ist außerdem auch ein erstklassiger Fixierstoff, der sich positiv auf die Haltbarkeit von Parfums auswirkt, während er der Komposition erlaubt ihren eigentlichen Duft beizubehalten.

Moschus bezeichnet im eigentlichen Sinne ein stark duftendes, bräunliches Sekret, dass vom Moschushirsch produziert wird. Jedes männliche Tier der Spezies verfügt über eine Moschusdrüse, die sich in einem Beutel zwischen den Genitalien und dem Umbilicus befindet und kraftvolle Pheromone ausstößt um paarungswillige weibliche Tiere der Speizes anzulocken. Bereits seit der Antike heißt es, dass der Duft von Moschus ein hervorragendes Aphrodisiakum ist; die moderne Wissenschaft hat dies bestätigt. Obwohl es immernoch Diskussionen um die wirklich Existenz von Sexuallockstoffen gibt, sind sich viele Wissenschaftler einig, dass der Duft von Moschus dem von Testosteron ähnlich ist.

Mit dem Wort Moschus werden verschiedene, oftmals animalische Duftstoffe, wie die von Zibetöl, Castoreum, Hyraceum oder synthetische Moschusakkorde, die in Laboren kreiert werden, beschrieben. Echter Moschus ist für Jahrtausende in der Parfümerie verwendet worden und gilt als eines der kostbarsten Rohmaterialien überhaupt. Tiere der Spezies sind heutzutage noch in Berggebieten in Indien, Pakistan, Tibet, China, Sibirien und in der Mongolei heimisch. Die Art ist jedoch als geefährdet eingestuft, da es einen leider finanziell lohnenswerten Schwarzmarkt für das echte Sekret der Tiere gibt. Mit einem Preis von $ 45.000 pro Kilogramm ist Moschus eines der teuersten Materialien überhaupt und ist auch teurer als Gold! Es ist äußerst besorgniserregend, dass man etwa um die 160 Tiere töten muss um ein Kilo des Lockstoffes erhalten. Es besteht die Möglichkeit die Drüse zu entfernen ohne das Tier zu töten, allerdings wird dies eigentlich nie getan.

Echter Moschus wurde seit der Antike in der Parfümerie genutzt. Erste Referenzen lassen darauf schließen, dass Byzantiner und Araber schon im 6. Jahrhundert Parfums mit großen Mengen Moschus kreierten. Beim Bau von Moscheen wurden ganze Wände mit Moschus beduftet, so dass dieser Duft immer dann verströmt wurde, wann immer die Sonne die Moscheen aufheizt. Al-Kindi, der berühmte Philosoph der Araber, der hunderte Abhandlungen zu verschiedenen Themengebieten verfasste, erwähnte den Aromastoff Moschus in vielen Duftrezepten. Dadurch wurde Moschus zu einem der teuersten Duftstoffe aus dem Mittleren Osten. Aber Moschus fand nicht nur in der Parfümerie, sondern auch als Heilmittel Verwendung. Die Heiler Arabiens und Tibets nutzten Moschus um die Gesundheit von Männern zu fördern. Ayurvedische Heiler behandelten Erkrankungen des Herzens, des Geistes und der Nerven. Auch heute noch ist Moschus eines der wichtigsten Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin; es ist Teil von etwa 300 verschiedenen Heilmittelrezepturen.
In der Parfümerie bedeutet Moschus nicht zwangsläufig, dass auch Moschus Teil der duftenden Komposition ist, sondern bezieht sich eher auf den Gesamteindruck eines Duftes. Natürliche Aromen von Moschus sind sehr komplex und werden oft mit vielen gegensätzlichen Worten von "süß", "cremig" oder "pudrig" bis hin zu "intensiv", "reichhaltig", "würzig", "ledrig" und auch "holzig" beschrieben. Meistens wird die Note Moschus als animalische Note, die lebhaft und beschwingt ist, charakterisiert. (...)
Angelica archangelica
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde hauptsächlich natürlicher Moschus in der Parfümerie verwendet, denn etwa zu dieser Zeit wurde Moschus zu teuer und war plötzlich kontrovers. Glücklicherweise gibt es einige Pflanzen, die ähnliche olfaktorische Eigenschaften haben, so dass der Duft von Moschus durch fast identisch duftende makrocyclische Lactonekomponenten kopiert werden kann.
Ambrette von Bob Richmond
Viele dieser Pflanzen, wie die der Arznei-Engelswurz (Angelica archangelica), die Moschus-Gauklerblume (Mimulus moschatus), der Abelmoschus oder die Moschusmalve (Abelmoschus moschatus), werden als Substitut für tierischen Moschus verwendet.
Moschus-Gauklerblume von alexlomas
In 1888 entdeckte der Wissenschaftler Albert Baur erstmalig eine Art synthetische Moschus. Dies war eher Zufall als Ziel, denn eigentlich experimentierte Baur mit TNT. Nach einem Versich eine effektivere Form von Trinitrotoluol zu entwickeln, bemerkte er plötzlich den äußerst angenehmen Duft, der ihn umgab. Diesen Duft nannte er später Nitro-Moschus. Nitro-Moschus war das erste Mitglied der Familie der synthetischen Moschusaromen, wurde aber aufgrund seiner Instabilität und seiner potentiellen Toxizität schnell wieder gebannt. Später wurden polyzyklische und makrozyklische Moschusaakkorde entwickelt. Der erste dieser Akkorde wird heute hauptsächlich in der modernen Parfümerie verwendet. Maakrozyklische Moschusakkorde werden von Pflanzen, deren Duft dem von Moschus ähnelt, extrahiert, allerdings ist diese Methode kostspieliger. Des Weiteren ist es interessant, dass etwa die Hälfte der Weltbevölkerung den Duft von makrozyklischen Moschusakkorden nicht wahrnehmen kann! Aus diesem Grund kombinieren Parfümeure eine Reihe von Akkorden um den echten Duft zu erreichen und die Idee hinter einem Duft perfekt umzusetzen.
Die Verwendung von natürlichem Moschus ist seit 1979 verboten; seitdem gilt der Moschushirsch als gefährdete Spezies. Heute wird die Note "weißer Moschus" hauptsächlich verwendet. Dies ist eine ethische und kostengünstige Alternative zum echten Moschus. Einige der besten Parfums, die diese synthetische Note betonen, sind Serge Lutens Clair de Musc, Montales White Musk, Il Profvmos Musc Bleu und Narciso Rodriguez For Her. Michael Boadis Moschus-Quartett aus der Illuminum Kollektion illustriert die Vielseitigkeit von synthetischem Moschus: Cashemere Musk, Rajamusk, Piper Leather und Wild Berry Blossom.
Die Moschus-Gauklerblume... von deren Existenz hatte ich nicht einmal geahnt.
Danke fuer die Info, Marina.
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